Ich fand einen Artikel in der letzten Ausgabe einer bekannten österreichischen Frauenzeitschrift sehr provokant. Da spricht eine Frau aus diesem Jahrhundert darüber, wie sie ihre Ehe glücklich hält, indem sie ihren Mann regelmäßig lobt, wenn er etwas „richtig“ macht. Ein anderes ihrer „Liebesrezepte“ sieht vor, dass frau nach Möglichkeit täglich ein Drei-Gänge-Menü zaubert. Man soll außerdem dem stärkeren Geschlecht an seiner Seite bereitwillig nicht Gefundenes hervorkramen, wenn der Mann mit ratlosem Gesicht vor dem Schrank steht. … Dabei fordere ich sogar von meiner knapp fünfjährigen Tochter, dass sie die Dinge, die sie verschludert, selbst sucht. Nun ja, die Tipps lassen sich vielleicht in dem einen oder anderen Punkt tatsächlich anwenden. Der Grundtenor zeigt allerdings eine Frau, die sich aus meiner Sicht zu sehr verbiegt.
Da meine Freundin Jordan Hensen gerade zu Besuch war, habe ich ihr den Artikel gezeigt. Sie arbeitet als Journalistin in New York. Als mittelmäßig erfolgreiche Journalistin. Aber erwähnen Sie dieses Detail nicht in ihrer Anwesenheit. Ihr angeknackstes Selbstbewusstsein diesbezüglich macht ihr ohnehin zu schaffen. … Warten Sie. Da kommt Sie gerade vorbei. Vielleicht verrät sie uns ihre Gedanken zu dem Bericht. … Also was meinst du zu den provokanten Thesen deiner Kollegin, Jordan?
Hallo Mädels! In meiner beruflichen Laufbahn habe ich schon den einen oder anderen Artikel über Themen geschrieben, bei dem das Wort Emanzipation nur sarkastischem Zusammenhang verwendet wurde. Wenn ich Glück hatte, wurde so ein nahezu frauenfeindlicher Beitrag nicht gedruckt. Besonders weil der Inhalt nicht meiner eigenen Meinung entsprach. Doch der bedenkliche „Liebescocktail“ dieser Wienerin scheint ernst gemeint.
Um es klar zu stellen: Ich würde mich weigern, meinem Mann die Pantoffeln nachzutragen. Ich würde ihn auslachen, wenn er verlangen würde, dass ich seinen eigenwilligen Humor lerne. Ich sehe nicht ein, dass ich mich ständig ändern müsste, damit ihm nicht fad wird mit mir. Wenn ich denn einen Mann hätte. Aber ich bin augenblicklich auch nicht auf der Suche nach einem. Gerade wenn ich daran denke, dass ich dann die Ratschläge dieses seltsamen Artikels befolgen müsste.
Ich habe meinen schwarzen Humor, meinen eigenen Willen, meinen Sturkopf und meinen wechselnden Stimmungen. Und das alles will ich behalten. Für immer. Das müsste ein männliches Wesen akzeptieren, wenn es mit mir zusammen sein will. Außerdem kann jeder Mann sich glücklich schätzen, wenn ich ihn als potenziellen Partner in Erwägung ziehe. Schließlich handelt es sich bei mir um eine ganz besondere Frau. Mit einer ganz besonderen Begabung.
Eigentlich halte ich meine Gabe geheim. Aber da wir Mädels ja unter uns sind, will ich mit der Wahrheit herausrücken: Ich kann die Gedanken der Menschen lesen. Durch das Berühren eines Gegenstandes war ich in meiner Jugend einmal in der Lage, die Bilder eines Mordes vor mir zu sehen. Im Laufe der Jahre habe ich diese Fähigkeit verdrängen wollen, aber irgendwann sucht jedes Geheimnis einen Weg ans Licht.
In meinem Fall war der Grund, meine Begabung doch noch einmal anzuwenden, ein seltsames Geschenk. Das Ding und meine Visionen darüber ließen mich die Polizei um Hilfe bitten. Lieutenant Baxter, der spät abends vor meiner Haustür auftauchte, zeigte ich mich bewusst nicht als das „schwache Geschlecht“, obwohl das in dem mir von Betty überreichten Artikel gefordert wird. Schließlich hatte ich nicht vor, mich auf einen Flirt mit dem – zugegebenermaßen attraktiven – Polizisten einzulassen.
Bei meinem ersten Zusammentreffen mit dem Lieutenant dachte ich noch, ich hätte es mit einem Macho der Extraklasse zu tun. Doch mit der Zeit hat er mich vom Gegenteil überzeugt. Lieutenant Baxter war auch der erste Mensch, der mich nicht für verrückt erklärt hat, als ich ihm von meiner Gabe erzählt habe. Ich war für ihn offensichtlich ein spannendes Rätsel, das er lösen wollte.
Obwohl ich also eine Frau mit Geheimnissen, Fehlern und nervigen Angewohnheiten bin, hat mich dieser Lieutenant Baxter mit einem Blick angesehen, bei dem wir Frauen wissen, dass unsere Chancen auf ein baldiges unterhaltsames Date soeben um hundert Prozent gestiegen sind. Ganz ohne auf hinterhältige, Frauen herabwürdigende Tricks zurückgreifen zu müssen. Ihr glaubt, ich habe die Signale falsch gedeutet? Ihr wollt einen eindeutigen Beweis? Nun, gut. Obwohl er dachte, dass es nicht erlaubt sei, hat er … Aber Halt! … Das lest ihr besser selbst nach. In dem E-Book „Mystic Wings – Ein mörderisches Geschenk“ auf amazon.
Ein Wort zum Schluss: Vielleicht wäre es hilfreich, in einem weiteren Artikel zu erfahren, welche Beziehungserfrischer der Ehemann bei seiner Frau anwendet, um die aufgezählten Liebeszutaten von ihr zu verdienen.